Auf geht’s

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Ausschleichen – 3. Woche

Seit drei Wochen reduziere ich nun das Antidepressivum Citalopram. Ehrlich gesagt ging es mir die letzten Tage nicht gut. Ich weiß zwar nicht, ob das nur an den Tabletten liegt, aber eine Rolle spielt es mit Sicherheit. 

Ich habe ziemliche Stimmungsschwankungen. In der einen Minute muss ich meinen Mann wegen nichts anbrüllen und in der nächsten entschuldige ich mich heulend. Nun gut, damit kommen wir zurecht. Ich selber gehe offen damit um und erkläre meinen Lieben mein schräges Verhalten. Meine Familie ist zum Glück sehr geduldig mit mir. Für mich selber ist es jedoch sehr anstrengend. Ich habe nun wieder Beklemmungen in der Brust (mein Monster ist zurück) und insgesamt fühlt es sich an, als wäre ich wieder mittendrin in der Depression. Inzwischen habe ich auch heftige Kopfschmerzen, ich bin schnell müde und übel und schwindelig ist mir auch. Also insgesamt ist es nicht so doll. 

Zum Glück weiß ich, dass das vorübergehend ist. In ein paar Wochen bin ich da durch. Der Körper muss sich erst daran gewöhnen. Der Wirkstoff Citalopram ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, in Schlau auch “Selective Serotonin Reuptake Inhibitor (SSRI)” genannt. Er erhöht das Serotonin in unserem Gehirn. Man geht davon aus, dass Serotonin unsere Stimmung und unseren Antrieb mitverantwortlich steigert. Deshalb wirkt Citalopram den Symptomen einer Depression entgegen. Durch die Einnahme tritt nach kurzer Zeit eine Gewöhnung ein, der Körper passt sich an. Deshalb muss das Medikament langsam reduziert werden, um dem Körper die Gelegenheit zu geben, sich schrittweise darauf einzustellen und den Stoffwechsel der Nervenbotenstoffe auszugleichen. Das geht nicht von heute auf morgen. Leider heißt das nicht, dass man durch die langsame Reduzierung vor „Entzugserscheinungen“ sicher ist. 

Im Augenblick ist es sehr von Vorteil, dass ich dank Corona-Wahnsinn in Homeoffice arbeite. Ich bin froh, dass ich nicht jeden Tag sehr früh über die A57 nach Neuss zur Arbeit fahren und mich mit Kollegen und Vorgesetzten auseinandersetzen muss.

Andererseits habe ich das Gefühl, dass eben dieser Corona-Wahnsinn mein Gefühl der depressiven Stimmung deutlich verschlimmert. Dieser Ausnahmezustand nimmt mich ziemlich mit. Ich denke, so geht es uns allen. Wahrscheinlich sind wir am Ende dieser Pandemie ein Haufen depressive oder wahlweise aggressive Zombies.

https://majonb.de/2020/05/16/meditation/

3 Comments

  1. Hey meine Liebe,

    Halt durch,das ist normal beim “ Ausschleichen“ Ich bin dann auch nochmal in ein richtiges Loch gefallen. Das geht vorbei,glaub mir. Irgendwann lichtet sich der Nebel und es ist vorbei. Zum Glück hast du deine tolle Familie die dich immer wieder auffängt. Das schaffst du … Liebe Grüsse Kirsten aus Marl

    • Hey liebe Kirsten,
      ja, ich denke da hast du recht. Ich habe befürchtet, dass es nicht ganz so einfach wird.
      Danke für deinen Kommentar hier!
      Ganz liebe Grüße zurück!

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Anne Gesthuysen

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