Selbstreflexion

Selbstreflexion

Inzwischen verbringe ich einiges an Zeit mit Selbstreflexion. Warum falle ich immer wieder in diese Stimmungstiefs? Warum habe ich Watte im Kopf und warum tappe ich immer wieder in die Fallen, die mein Monster mir stellt? Und ob ihr es glaubt oder nicht, diese Selbstreflexion ist tatsächlich spannend! Ganz ehrlich. Nicht, weil ich etwas so besonderes bin. Ich finde es spannend mich einfach mal selber zu hinterfragen. „Warum fühlst du jetzt so? Was steckt da in Wirklichkeit hinter?“

Wo kommt meine Stimmung wirklich her?

Interessanterweise schaffe ich es inzwischen, auch mal ab und an eine Antwort auf meine Fragen zu bekommen. Für euch hört sich das vielleicht etwas wirr an und das kann ich gut verstehen. Ich versuche es besser zu erklären:

Mir geht es immer wieder mal so, dass ich tagelang total unzufrieden bin. Meine Laune rangiert dann, auf einer Skala von 1 bis 10, irgendwo bei 4, vielleicht sogar auch nur bei 3. Für einen tendenziell fröhlichen Menschen ist das echt wenig. Nun komme ich z.B. an Tag 3 meines Stimmungstiefs in die Küche und stelle fest, dass die Ordnung nicht meinen Ansprüchen genügt. Wenn ich in dieser Stimmung bin, kann ich mich kolossal in alles reinsteigern. Das Geschirr, das nicht in-, sondern auf die Spülmaschine geräumt wurde, nervt mich nicht einfach nur, es macht mich stinksauer. Ich fühle mich persönlich angegriffen, nicht wertgeschätzt, ignoriert, als selbstverständlich angesehen und überhaupt scheint jeder zu glauben ich wäre sein persönliches Dienstmädchen. Womöglich heule ich auch noch eine Runde vor lauter Wut.

Geht es mir hingegen gut und fühle ich mich ausgeglichen, räume ich das dämliche Geschirr einfach in die Spülmaschine und gut ist’s. Vermutlich war derjenige einfach in Eile, denn normalerweise räumen meine Familienmitglieder ihr Geschirr in die Maschine. Es muss also einen simplen Grund geben und der ist nicht der, dass man mich ärgern wollte oder mich nicht wertschätzt.

Warum?

Die eigentliche Frage ist also nicht „warum wurde das Geschirr nicht eingeräumt?“, die Frage sollte doch lauten: „Warum regt es mich so auf?“. Vielmehr noch, „warum unterstelle ich meinen Familienmitgliedern solch schäbige Motive?“. Ein ziemlich guter Zeitpunkt für Selbstreflexion!

Dass ich vorher schon unzufrieden gewesen bin, ist der springende Punkt! Also gilt es herauszufinden warum das so war und welcher Pups quer sitzt.

Darauf eine Antwort zu finden kann mitunter sehr schwierig sein. Mir geht es zumindest so. In früheren Tagen ist mir das nur sehr selten gelungen. Ich habe mir diese Fragen allerdings auch nur sehr selten gestellt. Es war eigentlich vielmehr so, dass ich diese Stimmung einfach ausgesessen habe. Ich habe gewartet bis sie von selber verpuffte. Das konnte mitunter schon mal was dauern. Es blieb dann auch nicht beim Geschirr. Dann störte und ärgerte mich alles Mögliche. Ihr kennt ja bestimmt die sprichwörtliche Zahnpastatube. Genau so ging es mir dann. Ein Fleck im Waschbecken? Was für eine Unverschämtheit! Schmutz auf dem Boden? So eine Respektlosigkeit! Mit Fliegenschiss übersäte Fenster? Sehe nur ich das? Und schon ist man so beschäftigt damit, sich über alles und jedes aufzuregen, dass die eigentliche Ursache der anfänglichen Unzufriedenheit komplett unter den Tisch fällt.

Innehalten bevor ich eskaliere, ist eine ziemlich gute Idee

Inzwischen versuche ich an irgendeinem Punkt innezuhalten und mich auf das zu besinnen, was für meine Gemütslage wirklich verantwortlich ist – und das möglichst bevor ich eskaliere. Das ist wie gesagt, alles andere als einfach. Je nachdem wo der Schuh drückt, brauche ich viel Zeit und Raum für mich, um das Problem fassen zu können. Meditation und lange Spaziergänge – diese natürlich alleine und ohne Musik auf den Ohren – helfen dabei. Es tut gut, allem freien Lauf lassen und alles zuzulassen was da hochkommt. Seien es Gedanken oder Gefühle. Gute oder schlechte. Und dann stelle ich mir immer wieder die Fragen:  Welches Gefühl ist das jetzt wirklich? Wut? Oder doch eher Enttäuschung? Oder Traurigkeit? Wo kommt es her?

Das führt zugegebener Maßen nicht immer zu etwas, aber ich hatte schon ausgesprochen unerwartete Erkenntnisse und deshalb finde ich diese Selbstreflexion tatsächlich auch spannend.

Wenn ich zu einem eindeutigen Ergebnis komme, kann ich das tatsächliche Problem angehen und habe weniger negative Energie in mir, die mich über schmutziges Geschirr in Wut geraten lässt.

Und wenn ich zu keinem Ergebnis komme, war ich wenigstens an der frischen Luft und habe mich bewegt. Das ist ja auch schon was.

Selbstreflexion

Eigentlich sollte man sich im Alltag häufiger mal selbst hinterfragen „Wo kommt diese Emotion/ diese Befindlichkeit gerade wirklich her?“ Warum rege ich mich wirklich im Straßenverkehr derart auf? Kommt der tagelange Magendruck wirklich nur vom Essen? Was hat jetzt wirklich mein Monster geweckt oder die Watte im Kopf und den Schwindel verursacht? Aussitzen und Abwarten, das aus schlechter Stimmung gute wird, wird nicht nur zu einem emotionalen Problem, sondern unter Umständen auch zu einem körperlichen.

Aber um da weiterzukommen braucht man Zeit und Ruhe. Solange wir uns immerzu Kopfhörer auf die Ohren setzen, sämtliche Streaming-Dienste vollumfänglich ausnutzen, wir uns das Handy immer in Reichweite legen und wir auch sonst jede Möglichkeit nutzen, uns am Fühlen und Denken zu hindern, wird das nichts.

Es gibt viele gute Artikel zum Thema Selbstreflexion

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„Kämpfe nicht gegen dich selbst, sondern richte dich in dem Leben ein, das dich froh macht.“

Anne Gesthuysen

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